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Windenergie in Deutschland: Ausbau, Anteil und Repowering 2026

MovTel Redaktion · Oktober 2026 · 16 Minuten Lesezeit
Windpark mit mehreren Windkraftanlagen an Land als Beispiel fuer den deutschen Windausbau

Windenergie ist neben der Photovoltaik die tragende Saeule der deutschen Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. An windigen Tagen deckt die Windkraft einen grossen Teil des deutschen Strombedarfs, an windarmen Tagen muss sie durch andere Quellen ergaenzt werden. Im Jahr 2026 steht die Branche vor einer doppelten Aufgabe: Einerseits soll die Leistung an Land und auf See deutlich wachsen, um die Klimaziele zu erreichen. Andererseits muessen alte Anlagen ersetzt werden, ein Prozess, der als Repowering bezeichnet wird. Dazu kommen Fragen der Akzeptanz in der Bevoelkerung, der Naturschutzvertraeglichkeit und der Netzanbindung. Dieser Ratgeber ordnet den Status quo: den Anteil der Windenergie am Strommix, die Geschwindigkeit des Ausbaus, die Rolle des Repowerings und die Herausforderungen bei Planung und Genehmigung. Ziel ist ein sachlicher Ueberblick, der Zahlen und Zusammenhaenge verstaendlich macht, ohne Position zu beziehen.

Anteil der Windenergie am Strommix

Die Windenergie lieferte in den vergangenen Jahren je nach Witterung zwischen 20 und 27 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs. In windstarken Jahren ueberholte sie zeitweise die Braunkohle als wichtigste Einzelquelle. An Land und auf See zusammen summieren sich mehrere Zehntausend Anlagen mit einer Leistung von weit ueber 60 Gigawatt. Die Offshore-Windkraft auf See waechst besonders schnell, da dort staerkere und konstantere Winde herrschen.

Der Beitrag schwankt saisonal stark: Im Winter und Herbst ist die Erzeugung hoch, im sommerlichen Hochdruckwetter oft gering. Das macht die Windenergie zu einer ergaenzenden, aber wetterabhaengigen Saeule, die durch Speicher, flexible Gaskraftwerke und Vernetzung mit Nachbarlaendern ausgeglichen wird. Die Tabelle zeigt die Groessenordnungen der Erzeugung nach Quelle.

QuelleLeistung ca.Anteil am Strom ca.Schwankung
Wind an Landetwa 58 bis 62 GW18 bis 22 Prozentstark saisonal
Wind auf Seeetwa 9 bis 11 GW3 bis 5 Prozentkonstanter als an Land
Photovoltaikueber 80 GW12 bis 14 Prozentauf den Tag konzentriert
Sonstige EEgemischtetwa 10 Prozentunterschiedlich
Der Anteil der Windenergie am Strommix schwankt von Tag zu Tag stark. Ein winterlicher Sturm kann kurzzeitig mehr als die Haelfte des Stroms aus Wind liefern, waehrend eine sommerliche Flaute den Anteil drastisch senkt. Deshalb ist der Blick auf das Gesamtjahr entscheidend.

Ausbau an Land und auf See

Der Ausbau an Land kommt 2026 nur zoegerlich voran, weil Genehmigungsverfahren lange dauern und Abstaende zu Wohnbebauung sowie Naturschutzauflagen die Planung verzoegern. Dennoch wurden in den vergangenen Jahren jeweils mehrere hundert Anlagen neu errichtet. Das Ziel der Bundesregierung sieht einen deutlich hoeheren Zubau vor, der bisher nur teilweise erreicht wird. Die Flaute bei neuen Genehmigungen ist ein Kernproblem des Windausbaus.

Auf See laeuft der Ausbau staerker, da Offshore-Projekte in Ausschreibungen vergeben werden und weniger lokale Konflikte haben. Dort entstehen groessere Parks mit leistungsstaerkeren Anlagen von 12 bis 15 Megawatt Einzelleistung. Die Tabelle vergleicht die Dynamik von Onshore und Offshore.

KennzahlWind an LandWind auf See
Neue Anlagen pro Jahreinige hundertwenige grosse Parks
Einzelleistung neu4 bis 6 MW12 bis 15 MW
Genehmigungsdauer3 bis 5 Jahreueber Ausschreibung
HaupthemmnisAkzeptanz, AbstaendeNetzanbindung, Kosten

Die Netzanbindung ist ein Engpass, besonders in Nord- und Ostdeutschland, wo viel Windkraft erzeugt, aber die Nachfrage im Sueden liegt. Neue Stromautobahnen sollen den Strom ueber weite Strecken transportieren, was Jahre dauert. Bis dahin muss teils abgeregelt werden, was Erzeugung und Wirtschaftlichkeit kostet.

Repowering: Alte Anlagen ersetzen

Repowering bezeichnet den Austausch alter Windkraftanlagen gegen neue, leistungsstaerkere Modelle am gleichen Standort. Da alte Anlagen aus den 1990er und 2000er Jahren oft nur 0,5 bis 1,5 Megawatt leisteten, kann ein einziges neues Modell die Arbeit von drei bis fuenf alten uebernehmen. Das verdoppelt oder verdreifacht die Erzeugung bei weniger Anlagenzahl und kleinerer Flaeche.

Repowering ist wirtschaftlich attraktiv, weil neue Anlagen hoehere Ertraege bei geringerem Wartungsaufwand bringen. Allerdings laufen viele alte Anlagen aus der EEG-Verguetung, weshalb Betreiber neu kalkulieren muessen. Die Tabelle zeigt den Effekt am Beispiel einer typischen Standortverdichtung.

SituationLeistungErtrag je Jahr ca.Anzahl Anlagen
Altbestand 20055 x 1 MWetwa 11 GWh5 Anlagen
Repowering 20262 x 5 MWetwa 28 GWh2 Anlagen
Effektplus 400 Prozentmehr Ertragweniger Anlagen
Repowering erhoeht die Erzeugung oft deutlich, ohne dass neue Flaechen versiegelt werden muessen. Da alte Anlagen aus der Verguetung fallen, ist der wirtschaftliche Druck hoch, rechtzeitig zu ersetzen, bevor die Einnahmen wegbrechen.

Akzeptanz und Naturschutz

Die Akzeptanz der Windenergie in der Bevoelkerung ist gespalten. Befuerworter sehen sie als notwendig fuer das Klimaziel, Gegner beklagen optische Beeintraechtigung, Laerm und Eingriffe in die Landschaft. Der Abstand zu Wohnbebauung ist gesetzlich geregelt, wird aber regional unterschiedlich ausgelegt. Schallschutz und Schattenwurf sind technisch begrenzbar, bleiben aber Streitpunkte in Genehmigungsverfahren.

Der Naturschutz betrifft vor allem Voegel und Fledermaeuse, die durch Rotoren gefaehrdet sein koennen. Moderne Anlagen werden deshalb oft nachts oder bei bestimmten Windbedingungen gedrosselt, wenn Tiere unterwegs sind. Ausgleichsflaechen und sorgfaeltige Standortwahl sollen Konflikte mindern. Die folgende Liste fasst die haeufigsten Konfliktpunkte zusammen.

Buergerschaftliche Beteiligungsmodelle, bei denen Anwohner Anteile an Windparks halten, gelten als wirksames Mittel, um Akzeptanz zu gewinnen. Wo die lokale Bevoelkerung wirtschaftlich profitiert, sinkt der Widerstand gegen neue Anlagen spuerbar.

Technik und Wirkungsgrad

Moderne Windkraftanlagen nutzen groessere Rotordurchmesser und hoehere Nabenhoehen, um selbst bei schwachem Wind wirtschaftlich zu arbeiten. Einzelne Onshore-Anlagen erreichen heute 4 bis 6 Megawatt, Offshore-Anlagen 12 bis 15 Megawatt. Der Kapazitaetsfaktor, also der Anteil der Nennleistung, der im Mittel genutzt wird, liegt an Land bei etwa 25 bis 30 Prozent, auf See bei 40 bis 50 Prozent.

Die Steuerung wird intelligenter: Anlagen passen ihre Drehzahl an den Wind an und kommunizieren mit dem Netz, um Schwankungen auszugleichen. Materialien wie karbonfaserverstaerkte Rotorblaetter senken das Gewicht. Solche Fortschritte senken die Stromgestehkosten der Windenergie, die 2026 an guenstigen Staetten bei etwa 4 bis 8 Cent je Kilowattstunde lagen.

  1. Rotor: groessere Durchmesser heben Ertrag bei schwachem Wind
  2. Nabe: hoehere Turmhoehen erreichen staerkere Luftstroemungen
  3. Regelung: smartes Pitch- und Drehzahlmanagement
  4. Netz: Anlagen helfen bei Frequenzhaltung und Stabilisierung

Rolle im Gesamtsystem

Die Windenergie ist kein Solitaer, sondern Teil eines Systems aus Erzeugung, Netz, Speicher und flexibler Nachfrage. Da Wind und Sonne nicht gleichzeitig stark sind, ergaenzt sich die Kombination: Wind liefert oft im Winter und nachts, Sonne im Sommer und tagsueber. Dieser Ausgleich macht den Ausbau beider Technologien sinnvoll, ergaenzt durch Wasserstoff und thermische Speicher.

Im europaeischen Verbund wird deutscher Windstrom mit skandinavischer Wasserkraft und nordeuropaeischer Offshore-Energie gekoppelt. Grenzueberschreitende Leitungen glaetten regionale Unterschiede. Langfristig soll die Windenergie zusammen mit Speichern und Wasserstoff die Grundlast aus fossilen Quellen ersetzen, sofern Ausbau und Netz im Takt bleiben.

Wind und Photovoltaik ergaenzen sich zeitlich gut: Wenn die Sonne wenig scheint, weht haeufig Wind, und umgekehrt. Deshalb ist ein ausgewogener Mix beider Technologien sinnvoller als auf eine allein zu setzen.

Ausbauziele und internationaler Vergleich

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil Erneuerbarer am Stromverbrauch bis zur Mitte des Jahrzehnts deutlich zu erhoehen. Die Windenergie an Land soll dafuer einen grossen Beitrag leisten, wobei das Zwischenziel mehrfach angepasst wurde, weil der Ausbau hinter dem Plan zuruecklag. Der Abstand zwischen Ziel und Realitaet wird vor allem durch die langsamen Genehmigungen erklaert, weniger durch fehlende Technik oder Geld.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland ein grosser Windmarkt, liegt aber bei der Flaechennutzung und der Akzeptanz hinter Laendern wie Daenemark oder Spanien. Daenemark erreicht einen weit hoeheren Anteil der Windenergie am Strom, weil die Bevoelkerung die Anlagen seit Jahrzehnten gewohnt ist und Buergerschaftsmodelle verbreitet sind. Spanien wiederum nutzt groessere, weniger konfliktbehaftete Flaechen im Sueden und auf der Iberischen Hochebene.

Diese Beispiele zeigen, dass der Ausbau weniger eine Frage der Technik als der Planung ist. Wo Flaechen ausgewiesen, Genehmigungen beschleunigt und Buergerschaftsbeteiligung gelebt werden, geht es schneller. Deutschland hat mit dem Windflaechenbedarfsgesetz versucht, Bundeslaender zu verbindlichen Flaechen zu verpflichten, deren Umsetzung in der Praxis aber stockt.

Auch der Vergleich mit den Nachbarlaendern im europaeischen Stromverbund ist aufschlussreich. Da Windstaerken ueber Europa schwanken, gleichen sich gaengige Flauteperioden durch Import aus windstarken Regionen aus. Ein gemeinsamer europaeischer Markt macht die Versorgung stabiler, erfordert aber den Ausbau der grenzueberschreitenden Leitungen, die derzeit ebenfalls Engpaesse aufweisen.

Fuer die Zukunft wird diskutiert, ob schwankende Erzeugung eher durch Speicher, durch Wasserstoff oder durch flexible Gaskraftwerke ausgeglichen wird. Wasserstoff aus ueberschuessigem Windstrom gilt als langfristiger Pfad, ist aber noch teuer und infrastrukturell im Aufbau. Bis dahin bleiben Batterien und thermische Ausgleichskraftwerke die Bruecke, die den Ausbau der Windenergie ueberhaupt erst tragfaehig machen.

Zusammenfassend zeigt der internationale Blick, dass Deutschland bei der Windenergie gut aufgestellt, aber in der Umsetzung vergleichsweise langsam ist. Beschleunigung bei Genehmigungen und Akzeptanz sind die Schluessel, um die Klimaziele ohne teure Importe zu erreichen. Die Erfahrung anderer Laender laesst sich dabei gezielt uebertragen.

Der Blick ins Ausland zeigt: Schneller Windausbau gelingt dort, wo Flaechen gesetzlich festgelegt und Buergerschaftsbeteiligung ueblich sind. Deutschland kann von diesen Modellen lernen, statt das Rad neu zu erfinden.

Fazit: Wind bleibt unverzichtbar

Die Windenergie ist 2026 unverzichtbar fuer das Gelingen der Energiewende in Deutschland. Sie liefert einen grossen, wetterabhaengigen Teil des Stroms, wird durch Repowering effizienter und waechst vor allem auf See. Die grossen Herausforderungen liegen in Genehmigungen, Akzeptanz und Netzanschluss, nicht in der Technik.

Wer die Zahlen versteht, erkennt, warum der Ausbau sowohl an Land als auch auf See vorangetrieben werden muss. Die haeufigen Fragen klaeren die wichtigsten Zusammenhaenge, bevor Sie sich in die Details des Ausbaupfads vertiefen.

Neben den grossen Zielen verdient der lokale Beitrag Beachtung. Jede Anlage, die nicht gebaut wird, muss durch Importe oder fossilen Strom ersetzt werden, was die Versorgungssicherheit belastet. Wer die Planung beschleunigt und Akzeptanz vor Ort foerdert, hilft nicht nur dem Klima, sondern auch der regionalen Wertschoepfung. Gerade Repowering zeigt, dass mehr Ertrag oft ohne mehr Flaeche moeglich ist, wenn alte Anlagen klug ersetzt werden. Dabei sollte die Politik Rahmenbedingungen schaffen, die Verfahren verkuerzen, ohne Schutzgueter zu schwaechen. Buergerschaftliche Beteiligung und transparente Entscheidungen verringern Widerstand. Langfristig entscheiden Ausbau, Speicher und Netz ueber das Gelingen der Energiewende, wobei die Windenergie als grossvolumige Saeule unverzichtbar bleibt.

Der Blick nach vorn zeigt, dass die Windenergie auch in Zukunft tragen muss, je mehr andere Sektoren elektrifiziert werden, etwa durch Waermepumpen und E-Mobilitaet. Wer den Ausbau begleitet, sichert zugleich die bezahlbare Versorgung kuenftiger Generationen und staerkt die heimische Wertschoepfung entlang der gesamten Lieferkette.

Haeufige Fragen

Wie hoch ist der Anteil der Windenergie am Strom?

Je nach Witterung liefert die Windenergie 20 bis 27 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs, an windstarken Tagen zeitweise deutlich mehr.

Was ist Repowering?

Repowering ist der Ersatz alter Anlagen durch neue, leistungsstaerkere Modelle am gleichen Standort. Damit laesst sich die Erzeugung verdoppeln oder verdreifachen.

Warum dauern Genehmigungen so lange?

Abstaende zu Wohnbebauung, Naturschutzpruefung und Planungsverfahren verzoeegern Projekte an Land oft um 3 bis 5 Jahre.

Wie unterscheiden sich Onshore und Offshore?

Offshore-Anlagen sind groesser, liefern konstanter und wachsen schneller, leiden aber unter der Netzanbindung. Onshore hat mehr lokale Konflikte.

Wie teuer ist Strom aus Wind?

An guenstigen Staetten lagen die Stromgestehkosten 2026 bei etwa 4 bis 8 Cent je Kilowattstunde, abhaengig von Wind und Standort.

Warum ist Windenergie wichtig fuer das Klimaziel?

Sie liefert grossvolumigen, CO2-freien Strom und ergaenzt die Photovoltaik zeitlich, besonders im Winter und nachts, wenn Sonne schwach ist.

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